Schöner Ort: Kunstinstitut Lehnin

Liebeserklärung an einen besonderen Ort: Ein Kleinod am Klostersee

Erweiterungsgeänder KulturinstitutAm liebsten wäre ich sofort über den Zaun geklettert und hätte die geheimnisvollen Bauten auf eigene Faust erkundet. Sie schienen leer zu stehen, ein bißchen verfallen wirkten sie mit ihren großen, unverglasten Fensterlöchern und den Graffitis – und vor allem ziemlich romantisch, direkt am glitzernden Klostersee gelegen, still und verwegen. Hier irgendwo sollte das Institut für Kunst und Handwerk liegen. Oder waren diese eigenartigen Gebäude etwa ein Teil davon?

Ich war gerade mit dem Bus 580 aus Potsdam in Kloster Lehnin eingetroffen und spazierte von der Bushaltestelle „Fischersberg“ die Straße „Am Klostersee“ entlang in die Richtung, die das große Schild am Anfang der Straße mir gewiesen hatte. Es war mein erster Besuch am Klostersee, und ich hatte keine Ahnung, was mich hier erwarten würde.

Das änderte sich, als Eckhart Haisch, künstlerischer Leiter des Vereins, meine Seminargruppe und mich an unserem Ankunftstag über das Institutsgelände führte. Zunächst war da das liebevoll ausgestattete Gästehaus, weitgehend aus Natursteinen errichtet, dessen Speisesaal mit einer Glasfront direkt in die Natur, in den Skulpturenpark, ja, ins Seeufer selber überzugehen scheint. Weiter draußen entdeckten wir den herrlichen Uferpavillon, dessen Panoramafensterscheibe ergreifend, geradezu theatral den Blick auf den Klostersee eröffnet. Doch auch die übrigen, sich an das Gästehaus anschließenden Seminarräume und das Seeatelier taten das Ihrige, mich von diesem einzigartigen Ort gefangen zu nehmen.

Ein Stück weiter am Seeufer wurde schwer gearbeitet. Jemand hantierte mit Spaten und wuchtigen Steinblöcken. Martin Schneider, Doktor der Medizin und heute Geschäftsführer des Gästehauses, baute ein Amphitheater mit neuen Zuschauerplätzen für die Seebühne. Verwundert setzten wir unseren Rundgang fort – und näherten uns in der Tat den eigenartigen Gebäuden, die mich schon bei meiner Ankunft fasziniert hatten.

Visionäre Vorhaben

Ausbaupläne für Kunsthalle, Kunstschule, Ateliers und Restaurant

„Aus dem großen Gebäude hier soll eine Kunsthalle entstehen“, erklärt uns Eckhart Haisch auf unserem Spaziergang über das Gelände. Wir stehen inmitten eines gewaltigen Rohbaus, der mal irgendwann, kurz vor der Wende, Teil eines Wohnheims für Erntehelfer werden sollte. Das ist vorbei, aber der Rohbau ist geblieben – echte, realexistierende Wertarbeit, weitläufig, mit riesenhaften Fensteröffnungen. Als Zwischenmieter haben sich hier erstmal Fledermäuse angesiedelt. „Im oberen Stockwerk wird es eine Ausstellungsfläche von 400 Quadratmetern geben. Im Erdgeschoss befinden sich, wie ihr seht, mehrere kleinere Räume, hier will der Verein eine Kunstschule eröffnen.“ Staunen macht sich breit, aber Haisch ist noch nicht fertig: „Na, und aufs Dach kommt eine große Aussichtsterrasse – und drei neue Gebäude mit Galeriecharakter – ein großer und zwei kleinere. Die können dann als Ausstellungsräume, Ateliers und Künstlerwohnungen genutzt werden. Einen Museumsshop haben wir auch geplant.“ Dabei soll natürlich der Galeriebetrieb auf dem Institutsgelände so weitergehen, wie es ihn schon gibt mit seinen wechselnden Ausstellungen. In der Kunsthalle aber werden langfristige Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden, auch Konzerte, Performances, Happenings.

Die „Lehniner“ sind Leute der Tat, das wird mir während unseres Geländerundganges immer deutlicher. Und weil eine Kunsthalle eigentlich und hauptsächlich „nur“ eine Halle ist, in die man Kunst tut, wird der Rohbau in den Sommermonaten bereits kurzerhand für Ausstellungen genutzt. Wir erkunden dessen verwinkelte Räume und Ecken – und finden Skulpturales, eine Kinoleinwand, Installationen: Reste von Kunstwerken, die sich, ganz natürlich wie es scheinen will, hier angesiedelt haben und offenbar bleiben wollen – wie die Fledermäuse….

Wir treten wieder ins Freie. Vor uns, ebenfalls auf dem Erweiterungsgelände und direkt am Seeufer, steht ein weiteres Gebäude. Darin sollen drei Ateliers entstehen, junge bildende Künstler werden hier die nötige Ruhe und Konzentration für ihre Arbeit finden. Ich merke, wie ich sie schon jetzt darum beneide, so in unmittelbarer Nähe zum Klostersee leben und arbeiten zu dürfen. Naja, wenigsten wird es, genauso traumhaft gelegen, ein Stückchen weiter ein Café geben. Der heute als Workshop- und Veranstaltungsraum genutzte Uferpavillon soll hierfür umgebaut werden. Durch seine riesigen Panoramafenster blickt man unmittelbar auf die glitzerne Wasseroberfläche. Zu meiner Freude fanden dort später die meisten Besprechungen unserer Seminargruppe statt. Jenseits der Hecke, die das Erweiterungsgelände vom heutigen Skulpturenpark trennt, befindet sich weiter oben noch ein Häuschen, das zu einem Restaurant umgebaut werden soll. Die anwachsende Besucherschar soll dort demnächst ortsnah beköstigt werden.

Man hat hier Gewaltiges vor. Ich bin beeindruckt von der Zielstrebigkeit und der Kraft, mit der die drei „Hauptamtlichen“, Eckhart Haisch und das Ehepaar Gisela und Martin Schneider diesem zauberhaften Ort eine Zukunft geben. Ihr gemeinsames Ziel ist, die bildende Kunst und die Ausbildung junger Künstler in der Region zu fördern, auf dem Gelände des alten Sägewerkes ein Kraftzentrum der Kreativität entstehen zu lassen. Dabei ist an alles gedacht – sogar an die Fledermäuse. Die ziehen nämlich demnächst um, in hundertachtzig (!) eigens angefertigte Fledermauskästen, rundum aufgehängt in den Bäumen auf dem Gelände.

Kooperationen mit externen Bildungseinrichtungen

Allein – lebendig wird ein solcher Ort vor allem durch die Menschen, die ihn besuchen. Vor allem die Jungen sind es, auf die man hier seine Hoffnung setzt. Eine „Junge Kunstschule“ gibt es bereits; bislang noch in anderen Räumen untergebracht, soll sie demnächst ins Erdgeschoss der großen Kunsthalle umziehen. Sie ist ein Angebot, bei dem Eckhart Haisch Schulklassen im Fach Bildende Kunst unterrichtet. Darüber hinaus möchte das Institut in Zukunft verstärkt mit externen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten und ihnen anbieten, die Ausbildung junger Künstler zumindest zeitweise an diesen inspirierenden Ort zu verlagern. Vor allem für die Sommermonate gibt es zwar schon genügend Anfragen von Künstlern, in Lehnin Kreativkurse anzubieten, Anfragen für Yogakurse sowieso, allerdings richten sich diese zumeist an berufstätige Erwachsene und finden somit vor allem an den Wochenenden statt. Ausbildungsphasen für Schüler und Studenten auf dem Gelände am Klostersee würden dagegen nicht nur das Institut als Ausbildungsort für junge Künstler aufwerten, sondern gleichzeitig zu einer besseren Auslastung des Gästehauses und der Seminarräume auch an den Wochentagen führen.

Projekt Ostseeregion

Doch nicht nur an einer lokalen Anbindung ist es Eckhart Haisch gelegen. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs und der Osterweiterung der EU sind uns die Landschaften und Kulturräume der Ostseeregion und des Baltikums deutlich nähergerückt, ohne dass diese bislang in der deutschen Öffentlichkeit hinreichend vertreten sind. Auf Reisen durch die Länder rund um die Ostsee lernte Eckhart Haisch diesen faszinierenden Kulturraum kennen, und in Gesprächen mit Repräsentanten der Kulturpolitik aus Litauen und Schweden entwickelte sich die Idee, einen Kulturaustausch mit den Ländern der Ostseeregion zu organisieren. So könnten beispielsweise Arbeitsstipendien an Künstler aus der Ostseeregion vergeben werden, die eingeladen würden, für eine Dauer von zwei bis drei Monaten am Ufer des Klostersees zu leben und zu arbeiten. Im Gegenzug würden einheimische Künstler aus dem Raum Brandenburg zum Arbeiten nach Schweden oder Litauen gehen. So entstünde allmählich eine Vernetzung mit einer Region Europas, mit der Deutschland und Mitteleuropa, ehe Kriege und politische Verhältnisse hier alle Brücken abgebrochen haben, immer in engem geistigem Austausch gestanden haben.

Allerdings, der Weg dorthin ist noch recht steinig – im wahrsten Sinne des Wortes: Denn bisher existieren die Wohnungen und Ateliers für die Künstler erst auf dem Bebauungsplan. Gleichzeitig liegt hierin aber auch eine große Chance für die zukünftigen Kooperationspartner, denn so können sie die Details der Umsetzung mit ausgestalten.

Nächste Schritte: Ein Ideenworkshop für Mitgestalter

Im Sommer 2011 plant Eckhart Haisch deshalb einen Ideenworkshop am Klostersee, zu dem der Verein Repräsentanten der Ostseeländer einladen wird. Bis dahin schreiten die Bebauungs- und Finanzierungspläne voran. Da bei dem Vorhaben mehrere europäische Länder beteiligt sind liegt die Hoffnung darauf, das Projekt unter anderem über EU-Fördermittel zu realisieren.

Man darf gespannt sein. Und mit anpacken. Und so freue ich mich darauf, das Institut für Kunst und Handwerk bei seinen ehrgeizigen Projekten in Zukunft im Rahmen meiner Möglichkeiten zu unterstützen.

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